Es war ein guter September. Die Geschäfte liefen, das Unternehmen wuchs, die Mitarbeiter waren mehr oder weniger zufrieden… manche Menschen sind eben nie voll zufrieden und alle Operationen verliefen wie geplant. So oder so ähnlich sah es vermutlich vor einem Jahr bei sehr vielen Firmen aus. Kommt man aus wirtschaftlich stabilen Ländern und betreibt man Unternehmen oder Produkte mit einem gewissen Mindestmaß an Nachfrage war es bis vor kurzem für die “old economy” einigermaßen einfach Geld zu verdienen. Wenige Monate später wendete sich dann bekanntlich das Blatt für die allermeisten Menschen: Corona.

Während die Weltwirtschaft kollektiv einen Sprung nach unten machte, sich aber mehr oder weniger schnell wieder erholte, zeigten die neuen Einschränkungen für viele kleinere und mittelständische Unternehmen wie unglaublich anfällig und fragil heutige Firmenstrukturen und selbstverständlich auch die Wirtschaft selbst waren. Hat man vor kurzem noch Export betrieben, Waren produziert und sich mit Kunden für zeitaufwendige Akquise getroffen ist dies durch Corona alles nicht mehr so einfach. Sicher gehen viele Dinge immer noch, aber Einschränkungen sind nunmal Einschränkungen. Die Gewinner bislang: Amazon, Shopify, Zoom und co. Unternehmen, die schon immer digital waren, bei denen es schon immer in der DNA lag sich ständig neu zu erfinden, zu iterieren wie es im agilen Sprech heißt, und sich auf Umstände anzupassen.

Der Digitalismus ist eine Metapher für die standörtliche und zeitliche Ungebundenheit und für eine Skalierbarkeit, die Physisch überhaupt nicht möglich ist. Während der Einzelhandel ohnehin schon seit Jahren aufgrund des Internets stagniert sind es die Internetunternehmen, die weiterhin gewinne erwirtschaften und voran kommen. Oftmals nicht nur wegen des Geschäftsmodells selbst oder wegen einer besseren Preispolitik, sondern auch wegen des Mindsets der Gründer und des Verständnisses für die Materie. Während ein Blumenhändler in erster Linie ein Experte für Floristik sein muss, kann ein Internetunternehmer, der Blumen vertreibt ungestraft eine Tulpe mit einer Rose verwechseln. Wichtig sind für das “kalte Verkaufen” nämlich nur die Marketingkanäle zu kennen und seinen Kunden, besonders gute Beziehungen zu Großhändlern zu haben und seinen Service zu optimieren.

Menschen sind Gewohnheitstiere, die es gerne sicher haben. Unternehmen sind aber sich ständig entwickelnde Prozesse, die sich wie ein Mond um einen Planeten (in dem Fall das Produkt) bewegen und dabei ständig von Meteoriten beschossen werden. Problemen, die gelöst werden müssen, Aufgaben die sich auftun. Innovation heißt nunmal auch am Puls der Zeit zu sein und sich flexibel anpassen zu können. Survival of the Fittest ist eben nunmal doch mehr als nur eine leere Floskel und Innovation auch.

Um Innovieren zu können ist es enorm wichtig sich auszukennen und nicht nur die Digitalisierung zu verstehen, sondern auch die Chancen die damit einhergehen zu nutzen anstatt sich darüber zu ärgern, dass Kunden lieber ihre Bücher günstiger und schneller verfügbar bei Amazon kaufen, anstatt in die kleine verstaubte Buchhandlung zu gehen. Sicher gibt es auch Ausnahmen und sicher ist es auch so, dass viele Buchhandlungen sich durch “Content Marketing”, wie Leseabende, eigene kleine Redaktionen die Empfehlungen schreiben und weitere Kniffe über Wasser halten und sicher ist es auch so, dass nicht jeder den Anspruch hat zu einem Milliardenkonzern zu wachsen. Dennoch ist es aber so, dass Unternehmen die sich flexibel anpassen können nicht nur größer wachsen als andere, sondern auch stabiler stehen. Und das nicht nur durch die größere Kaufkraft, sondern auch durch die in der Grundstruktur vorhandene Flexibilität.

Kleine Boutiquen, die in 2020 immer noch fern vom Kunden sind und beispielsweise kein Instagram bedienen sind davon genauso betroffen wie Banken, die sich ihre Kunden von schnellen Fintechs abgreifen lassen. Spielt man dieses Spiel nämlich schneller und länger wird aus der Digitalbank der neue Großplayer mit 50 Millionen Kunden, der gleichzeitig in 20 Länder expandieren kann, einfach weil er keine Filialen eröffnen muss und weniger Personal bedient. Wenn ich mich privat für ein Konto interessiere möchte ich dafür nicht mehr in die Stadt fahren müssen um mich dann in ein verstaubtes Büro zu setzen und dem Geschwafel eines Finanzberaters zuhören zu müssen. Ich möchte von zuhause aus innerhalb von 5 Minuten ein Konto eröffnen, das nichts kostet und genauso Flexibel ist wie jedes andere Konto auch.

Unternehmen verpassen den Absprung, weil sie ihre Ressourcen falsch verteilen, weil sie Innovationen fürchten und weil sie immer noch der Meinung sind, dass sich dieses Internet nicht durchsetzen wird.